Logo Bundesverband Liberale Senioren

Die echte Eigentumssäule. - Deutschland muss lernen, seine Ressourcen zu nutzen

Zuder aktuellen Rentendebatte in Deutschland erklärt die stelllvertretene Bundesvorsitzende von LIS-Deutschland, Heike Jankowski:

Heike Jankowski

Die Bundesrepublik altert und die Finanzierung der Renten steht im Mittelpunkt der politischen Debatte. An die Stelle der Frage, wie die Belastung der Gesellschaft durch die ältere Generation verringert werden kann, muss die Frage nach der sinnvollen Nutzung der Ressource „60+“ treten. 
Die Einführung einer echten Eigentumssäule in der Rentenversicherung für Menschen, die freiwillig den Rentenbezug aufschieben und weiterarbeiten, könnte zum Zusammenrücken der zwei Seiten des Rentenproblems führen:

  1. Durch Verschiebung der Rentenzahlungen auf spätere Zeitpunkte wird die Belastung des Rentensystems besser verteilt;
  2. der Erwerb einer individuell zugeordneten und auch vererbbaren Eigentumsrente in einer neben der GRV bestehenden eigenen Vorsorgesäule für Erwerbstätige im Rentenalter, in die der Arbeitgeberanteil eingezahlt wird, befriedigt das Bedürfnis nach Erzielung eines persönlichen Nutzens aus der Weiterarbeit.

Fakt ist: Die heutigen und die zukünftigen Rentner haben Ansprüche gegenüber Staat und Gesellschaft erworben. Die Legitimation dieser Ansprüche anzuzweifeln oder sogar diese Ansprüche nur teilweise abzugelten, wäre das Schlechteste, das ein liberaler demokratischer Staat tun kann: es würde nicht nur das Vertrauen der älteren Generation in ihre Legislative und Exekutive zerstören, sondern auch das der Jüngeren, die sehr plastisch vorgeführt bekämen, wie es ihnen später bei der Abgeltung ihrer eigenen erworbenen Ansprüche ergehen könnte.

Der liberale Ansatz in der derzeitigen Situation ist klar: Niemandem werden erworbene Ansprüche abgesprochen; stattdessen müssen Anreize zur Weiterarbeit geschaffen werden, die gleichzeitig zur Entlastung der Sozialsysteme führen. Die rund 19 Millionen Menschen, die aktuell eine Altersrente beziehen, vereinen berufliche Erfahrung, Fachkompetenz und Resilienz, die in Teilen brachliegen und in die Gesellschaft ein- und zurückgebracht werden können.
Um einen zusätzlichen Anreiz zur Aufschiebung des Rentenbezugs zu schaffen, sollte die Rentenversicherungsfreiheit als zusätzliche Option auch für Menschen im Rentenalter, die ohne gleichzeitigen Rentenbezug weiterarbeiten, bereitgestellt werden. Der Arbeitgeberanteil, der bisher weiter in das Umlagesystem fließt, ohne dass es zu einer Erhöhung der individuellen Rente kommt, könnte damit auf ein individuelles kapitalgedecktes Rentenkonto, über das bei Beendigung des Erwerbslebens frei verfügt werden kann, fließen. Statt weiterhin Rentenpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben, bestünde die Möglichkeit, den Arbeitgeberanteil zum Aufbau eigenen Vermögens zu nutzen und eventuell durch eigene Einzahlungen zu ergänzen.

Insgesamt könnten auf diese Weise individuelle und gesellschaftliche Ansprüche zusammengeführt werden: 
Mit der echten Eigentumssäule

  • steigt das Nettogehalt, bleiben der Aufschubzuschlag und der Rentenanspruch unangetastet und entsteht ein individuelles, vererbbares Vermögen, das von politischen Entscheidungen entkoppelt ist;
  • verteilen sich die Zahlungen der Rentenkasse über einen breiteren Zeitraum, bleiben die Fachkräfte länger im Beruf und ergänzen die Zuwanderung von Fachkräften, bleibt die gesetzliche Rente unangetastet und schafft auch für Menschen mit geringerem Einkommen einen Aufschubanreiz.

Politik und Gesellschaft müssen beginnen, die Generation Ü60 als aktive Gestalter zu sehen, die nicht auf der Bank vor dem Haus sitzen und Würdigungen für ihre Lebensleistung entgegennehmen, sondern nach wie vor Wissen, Können und Verantwortung einbringen können und wollen. Wer die Einlösung seiner Ansprüche verschiebt, muss das nach den allgemeinen Spielregeln der liberalen Gesellschaft machen können: fair, freiwillig und mit eigenem Gewinn. Die echte Eigentumssäule ist eine Einladung zum Mitgestalten, kein Zwang zum Verzicht.